Vor der Reformation wurden die Kirchen nach allgemein anerkannten Grundsätzen gebaut: Ausrichtung des Baus nach Osten, woher das Licht kommt. Eingang auf der Westseite, wo vielfach das Jüngste Gericht dargestellt wird. Der Norden steht für Tod (Nachtseite), der Süden (Tagseite) für Leben. Der Chor (Apsis) kann im Grundriss rechteckig, halbkreisförmig oder polygonal sein. Im Chor sangen die Geistlichen die Liturgie und feierten die Messe. Er war dem Klerus vorbehalten und vom Kirchenraum durch 3 (oder 9) Stufen abgehoben und durch eine Gitterschranke (Lettner) getrennt. Die Gottesdienstbesucher konnten nur als Zuschauer die Messer miterleben.

Ab etwa 1350 werden Kirchtürme mit quadratischem Grundriss gebaut. Der obere Teil ist achteckig. Die tiefere Aussage lautet: an diesem Ort treffen Himmel (8) und Erde (4) zusammen. Das Modell lieferte der Leuchtturm aus Pharos im antiken Ägypten. Er will den Menschen zeigen, wohin sie gehen sollen. Auf den meisten Turmspitzen wird diese Aussage nochmals unterstrichen mit der Sonne (Christus), die den Mond (Maria) bescheint. Über der Glockenlaube erhebt sich oft ein spitz zulaufender Turmhelm, der mit kleinen Schindeln (Schipfen) gedeckt ist.

Vom 14. bis ins 16. Jahrhundert herrschte eine rege Bautätigkeit. Die Nachfrage nach Messen nahm zu, vielfach wurden die Chöre vergrössert. Kirchen wurden vollständig ausgemalt. Die Bilder waren eine „biblia pauperum“, eine Bibel für die Leseunkundigen, eine Gedächtnisstütze und eine Ermunterung zur Andacht.

Nach der Reformation wurden die Bilderbibeln übertüncht, die Kirchenmusik verbannt, Kanzeln eingerichtet, Bibelsprüche und Glasmalereien angebracht, Kirchenbänke aufgestellt, Emporen eingezogen. Die Orgel kehrte erst ab 1780 wieder zurück.

Zahlen, Farben, Pflanzen und Tiere hatten symbolische Bedeutungen. So sind die Taufsteine meist achteckig. Der achte Tag wir als Tag der Auferstehung und damit Beginn des neuen Lebens bezeichnet. Eine weisse Lilie zeigt auf Maria. Akanthusblätter erinnern an das ewige Leben. Auf Jesus weist der Fisch hin, denn im Griechischen besteht er aus den Anfangsbuchstaben von „Jesus Christus Gottes Sohn Retter“.

1228 wurden viele der Kirchen im Cartularium des Bistums Lausanne verzeichnet, die erste Erwähnung der damals bestehenden Gotteshäuser. 1453 fand durch den Bischof von Lausanne bzw. seiner Bevollmächtigten eine Visitation aller Kirchen im Bistum statt, von der wir Näheres über Bau und Ausstattung erfuhren.

Vor der Reformation spielten die Klöster eine wichtige Rolle. Die Augustiner Chorherren von Interlaken waren die grössten Grundeigentümer im Oberland. In Därstetten befand sich ein Priorat der Augustiner Chorherren von eher lokaler Bedeutung. In Rougemont befand sich eine Propstei der Cluniazenser.