Die Kirchen waren in der Regel einem Heiligen oder einer Heiligen geweiht (Patrozinium). In frühchristlicher und nachreformatorischer Zeit tragen die Kirchen in ihrem Namen oft Christus, das Hl. Kreuz oder einen Apostel wie Petrus in Lauenen und Château-d’Oex (29. Juni).

Die ehemalige Klosterkirche Därstetten, die Kirche in Zweisimmen  und in Jaun-Weibelsried  sind Maria, Mutter Gottes, geweiht, die Kirche in Rossinière Magdalena (Maria von Magdala, 22. Juli).

Das Martins-Patrozinium der Kirche in Wimmis weist auf den Einfluss des fränkischen Klosters Cluny hin. Martin war Bischof von Tours. Bekannt ist seine Begegnung mit einem Bettler: Er teilte seinen Mantel mit dem Schwert und gab ihm  die Hälfte (11. November).

Der Erzengel Michael geniesst in der Kirchengeschichte grosses Ansehen. Sein Name bedeutet „Wer-ist-wie-Gott?“ Er ist Schutzengel der Menschen und Kämpfer gegen den Satan.
Der Heilige wurde nach dem Sieg Otto des Grossen über die Magyaren auf dem Lechfeld 955 zum Schutzpatron des ostfränkischen Reiches. Ihm war die Kirche in Erlenbach geweiht (29. September).

Mauritius wurde der Legende nach als Anführer der Thebäischen Legion wegen seines Glaubens hingerichtet. 515 gründete der burgundische König über seinem Grab die Abtei St. Maurice. Mauritius-Kirchen befinden sich in Boltigen, Lenk, Oberwil und Saanen (22. September). Die enge Beziehung zum Wallis zeigt auch die Theodul-Kirche in Gsteig. Theodul (Joder) war erster Bischof im Wallis (16. August).

Durch das Simmental und Saanenland führen vielbegangene Verkehrswege, an denen sich Darstellungen des hl. Christophorus (24. Juli) finden. Die ältesten Bilder sehen wir noch innerhalb der Kirchen. Nach 1400 entstehen an den Aussenwänden die überlebensgrossen Christophorus-Darstellungen, die von weit her sichtbar sind. Der hl. Christophorus galt als Schutzpatron der Reisenden. Der Blick auf ein Christophorus-Bild sollte vor einem unerwarteten, jähen Tod bewahren, ein Tod, der besonders gefürchtet wurde, weil für den Volksglauben Sterbesakramente als Vorbereitung auf den Tod wichtig war, damit die Seele in das Jenseits eingehen konnte.

Christophorus wurde frontal oder von der Seite gezeigt. Im Laufe der Zeit änderte sich die Art, wie er Christus trägt, der Stab, die Kleidung und die Höhe des Wassers. So wandelte sich Christus von einem kleinen, in der Armbeuge sitzenden Erwachsenen zu einem auf der Schulter sitzenden Knaben im Nacken von Christophorus.

Wir kennen Christophorus-Darstellungen in Erlenbach (Südwand und Westfassade), Därstetten, Oberwil (Südwand und Westfassade), Zweisimmen und Saanen (Chor, Südmauer und Schiff).

Der Nikolauskult kam durch die Gemahlin Otto II. auf, die eine byzantinische Prinzessin war (Diemtigen, Gstaad, Rougemont) und verbreitete sich vom Süden aus über den grossen St. Bernhard hierher. Durch die scheibchenweise Verteilung seines von den Eltern ererbten immensen Vermögens rettete er unzählige Hungernde, bewahrte junge Menschen vor Prostitution und Versklavung (6. Dezember).

Donatus, Bischof von Arezzo, Märtyrer, der Überlieferung nach als Apostel der Toscana bezeichnet, ist der Schutzpatron  der Kirche in Château-d’Oex (7. August).

Der Feiertag des/der Schutzheiligen war wirtschaftlich und rechtlich wichtig, denn an diesem Tag wurden oft Märkte abgehalten, Schulden beglichen, Zinsen und Abgaben fällig oder Gerichtsverhandlungen angesetzt.

Die Reformation lehnte die Heiligenkulte ab, weil sie sich nicht von der Bibel her begründen liessen.