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Joderkirche, Gsteig

Die Kirche in Gsteig ist Joder oder Theodul gewidmet, dem ersten Bischof im Wallis, denn Gsteig wurde von Wallisern gegründet. 1050 kleine, romanische Kapelle, noch im Untergrund des Chores vorhanden, um 1200 etwas grössere rechteckige Kapelle, 1453 heutige spätgotische Kirche mit Chor und Turm.

Die Decke des Kirchenschiffs symbolisiert den Nachthimmel, in dessen Zenit ein Stern steht (Sterne galten als Loch, durch welches das Licht Gottes scheint).

Den stärksten Eindruck machen die 1717 in gotischer Schrift angebrachten Bibelworte: hinten die Einladung zum Hören, vorne zur Taufe, über dem spitzen Triumphbogen Loblied auf den Tempel in Jerusalem (Chor als Ort des Allerheiligsten).

Rosette an der Chordecke mit 3 mal 3 plus 3 Blütenblättern symbolisiert die Hochheiligkeit Gottes.

Am Chorbogen unten links zwei Lilien an der Stelle des früheren Marienaltars (Lilie für Maria als reine Frau).

Taufstein mit Akanthusblättern. Abgeschnittene Akanthusblätter rollen sich zusammen, aber strecken sich wieder, wenn sie Wasser bekommen (Taufe!).

Architektonisch gegliederte, reich intarsierte Renaissancekanzel von 1636, kassettierter Schalldeckel von 1713. Der hebräische Gottesname JHWH unten an der Kanzel. Eine mögliche Übersetzung des Gottesnamens: «Ich bin da für Dich!»

Erste nachreformatorische Orgel um 1796. 1967 heutiges Instrument von Orgelbau Genf mit sieben Registern und 950 Pfeifen.

Glocken: Die kleine Joderglocke (Stimmung g’’) aus dem 15. Jahrhundert wird nur am Karfreitag und nur von Hand geläutet. Drei weitere Glocken, eine von 1706, von Johann Anton Mollia aus dem Piemont, zwei 1971 und 1975 von Rüetschi Aarau .
Stimmung: g’ – b’ – d’’

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