Boltigen - Zweisimmen

Der Obersimmentaler Hausweg führt entlang eindrücklicher Gebäude mit hoher Zimmermannskunst und prächtiger Fassadenmalerei. Diese sind Ausdruck des grossen Reichtums, den die Zucht und der Export der inzwischen weltbekannten Simmentaler Kühe früh schon in das sonnige Bergtal brachten.

Die Wegstrecke von Boltigen nach Zweisimmen beinhaltet fünfzehn herausragende Gebäude.

An jedem Haus angebrachte Tafeln informieren über Alter, Architektur und Besonderheiten. Der Hausweg, teils auf Naturpfaden, teils über Asphaltsträsschen mit wenig Verkehr, verläuft teilweise entlang der Lötschberger-Linie Spiez–Zweisimmen, so dass die Möglichkeit besteht die Wanderung abzukürzen (https://fahrplan.bls.ch/).

Wegstrecke Boltigen - Zweisimmen ca. 20 km

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Nr. 476, datiert 1683/1780. Fassade renoviert 1972. 1683 Zimmermeister Jacob Gobeli für Feldvenner Stäfen Knöri und Susanna Zädlerein; "verbessert und grösser gemacht" 1780 durch den im Simmental sehr bekannten Zimmermeister Hans Messerli für einen Nachfahren des Bauherrn, Peter Joneli und Magdalena Ueltschi. Hans Messerli erweiterte den ursprünglich zweistubenbreiten Bau um die nördliche Stube und richtete eine neue Mittelfirst auf. Die Neubauteile wurden im Stil des ausgehenden 18. Jahrhunderts dekoriert (Malereien im jüngeren Simmentaler Malstil; Schnitzereien in der typischen, stark plastischen Art.
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Nr. 531. Um 1800 wahrscheinlich von Zimmermeister Johannes Schläppi, Ständer-/Blockbau, reicher Zimmermannsdekor mit flachgeschnitzten Blumenmotiven und stark plastischen Gesimsen und Konsolen. Fürs Obersimmental typische frontseitige Laubentreppen. Stubengeschoss 2004/05, Kellergeschoss 2008 renoviert.
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Nr. 538. Bauernhaus 16./17. Jh., heute Ferienhaus, Hauptgiebelfront bis auf Fensterzone original, Ständer-/Blockbau, atypisch von Anfang an als asymmetrischer Baukörper konzipiert, für die Bauzeit auffallend starke Geschossvorkrage, mehrfache Rillenfase, Stäbchenmotiv in dreifacher Ausführung an Schneepfetten, eine der ältesten Bauten Weissenbachs.
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Nr. 539. Bauernhaus von 1651 und 1740, Zimmermeister Mathis Bergmann („samt sinen Sünen Stäfen der Meister ... und Jacob...“), restauriert 2004/05, Ständer-/Blockbau, als asymmetrischer Baukörper konzipiert; typisch für die berühmte Zimmermeisterfamilie sind die konsolengestützten Geschossvorkrage, reiche Antiquaschrift, Maldekor mit Kreisornamenten, Bären und Pflanzenmotiven.
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Nr. 543, datiert 1705, nach hinten erweitert 1735, restauriert 1980/81. Viergeschossiges Bauernhaus von der Bedeutung des Knuttihauses in Därstetten. Erbaut von Werkmeister Michael Bühler für Bartlome Betschen und Elsbeth Büller. Ein zweigeschossiger Sockel ist sehr selten und erinnert an das Wallis; das obere Kellergeschoss diente bis ca. 1920 einer halböffentlichen Nutzung (ursprünglich wohl Bäckerei, dann Käserei, am Schluss Verkaufsladen). Die Fassade ist symmetrisch regulär, stark plastisch und von einem aussserordentlich dichten Dekor überzogen.
Westlich dahinter Weissenbach Nr. 550, Bauernhaus von 1866, Zwischen den Zufirstständern eine der wenigen Hausinschriften des 19. Jh. in Boltigen.
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Nr. 574. 1702 von Zimmermeister Michael Bühler (vgl. Hausweg 2) erbaut und im 19. Jh. traufseitig um je einen Stubenanbau erweitert. Der formenreiche Bauschmuck zeigt nebst aufwändigen Würfelreihen einfache Flachschnitzereien auf den Binderbalken. Der Stubenbund des nördlichen Anbaus zeigt dies in barock gesteigerter Form. Der südliche Anbau mit offener Laube ist auf Grund seiner klassizistischen Strenge ins spätere 19. Jh. zu datieren. Nach Restaurierung gekuppelte Fenster in Stuben- und Gadengeschoss wieder im Originalzustand.
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Unterbächen, Nr. 774 , datiert 1662. Zimmermeister Kristen Wären für Stäfen Betler. Schöner zweistubenbreiter Bau. Ist die leichte Asymmetrie ein bewusster Kunstgriff des Zimmermeisters? Stubengeschoss ausgewechselt, originale Gadenfenster. Zurückhaltender geschnitzter Dekor (feine Blendbogen und Rauten), Bauinschrift in einfacher Antiqua am Übergang zur Fraktur ("Waffen" rechts aussen in der obersten Zeile).
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Unterbächen, Nr. 779, datiert 1792, restauriert 1985. Zimmermeister Johannes Schläppi für Gerichtssäss Jakob Betschen und Eva Andrist. Schönes zweistubenbreites Bauernhaus mit prächtiger ursprünglich vollsymmetrischer Fassade und aufwendigem Dekor. Traditionelle Zimmerung: Erdgeschoss vorne Ständerbau, das übrige Holzwerk in Blockgefüge. Die Reihenfenster mit reichen Pföstchen und Fensterbank im Stubengeschoss wurden nach altem Vorbild erneuert. Die opulenten Flachschnitzereien mit ihren pflanzlichen Motiven und bewegten Profillinien der Blockkonsolen sind typisch für die Zeit, ebenso die reiche Frakturschrift mit üppigem Beiwerk.
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Nr. 802, um 1800. Der reichgeschmückte, aber nicht datierte Bau weist nahe Verwandschaft mit Hausweg 4 von 1792 in Unterbächen auf, er dürfte ebenfalls von Zimmermeister Johannes Schläppi aufgerichtet worden sein. Um 1875 Anbau der nördlichen Stube, spätere Einwandung der Lauben. Originalgetreue Wiederherstellung der Stubenfensterpartie seit 1985. Wie in Unterbächen auffällige flachgeschnitzte Blumenmotive und stark plastische Gesimse und Blockkonsolen.
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Cholplatz 1, datiert 1621. Zimmermeister Hans Wolet für Uli und Christen von Mulen (?). Stattliches Bauernhaus mit zwei annähernd gleich breiten Frontstuben. Die strengen Profillinien der Blockkonsolen mit den knappen Ausschnitten, die Bauinschrift in Antiqua im Giebel und die feinen Würfelfriese sind Elemente eines sehr zurückhaltenden, frühen Dekors.
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Äussere Gasse 15, datiert 1667. Bauernhaus mit jüngerer, querangebauter Scheune. Die Fassade ist symmetrisch und trägt einen für ihre Zeit fortschrittlichen geschnitzten und gemalten Dekor. Wappen, Schriftbänder und Einzelmotive sind verblichen; in diesem Jahrhundert partielle und unsachgemässe Renovation. Stubenfenster ersetzt, dagegen ist der ganze Gaden- und Giebelbereich original erhalten.
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Hinderi Gasse 40, datiert 1606. Bauernhaus in traditioneller Anlage und Machart. Die Hauptfassade trägt die stilistischen Merkmale ihrer Zeit: Strenge Profillinien der Blockkonsolen und Würfelfriese. Dieses Motiv verbreitet sich nach 1600 sehr rasch in allen Tälern des Oberlandes. Im Giebel Flachschnitzereien (Bär und Steinbock). Stuben- und Gadenfenster nachträglich vergrössert.
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Hinderi Gasse 9, um 1520, gehört zu den ältesten Bauernhäusern des Berner Oberlandes. Im Giebel sogenanntes "Heidenkreuz", ein mit zwei Fusshölzern verstrebter Firstpfosten, spämittelalterliche Konstruktionsweise zur Stützung der First und zur Aussteifung der Giebelwand. Sie wird nach 1500 allmählich durch die zimmermännisch bessere Lösung der Blockkonsole abgelöst. Die Kielbogen der Rauchlöcher im Giebel und die langgezogenen Rillenfase an Gadenbund und oberer Fensterbank sind stilistische Merkmale des 16. Jahrhunderts.
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Obeggstrasse 6, datiert 1793, erbaut für Peter, Hans und Madlena Betler. Das Haus wurde im 19. Jahrhundert um ca. 1,5 m erhöht, aus unbekanntem Grund unterblieb aber die entsprechende Erweiterung nach rechts. Aufwendige Konstruktion mit dreifacher Hauptschwelle, konsolengestützter Fensterbank und Giebelvorkrag. Flachschnitzereien mit pflanzlichen Motiven; Schriftbänder im Giebel und an den Gadenwänden stark verwittert. Die auffällige Profillinie an der alten Hauptkonsole mündet unten in einen Pfeil; dieses Motiv kommt in Saanen und im oberen Simmental in dieser Zeit häufig vor.
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Obeggstrasse 8 und 8a, datiert 1695. Sehr schönes Doppel-Bauernhaus mit jüngerem Stubenanbau an der Ostseite. Ursprünglich symmetrische Fassade mit drei Vorkragen und reichen, flachgeschnitzten Friesen. Reste einer flächendeckenden Malerei mit Wappen, Kreisornamenten, Sträussen, Tieren und ausführlichen Schriftbändern in Fraktur. Nahe stilistische Verwandtschaft mit Hausweg 14 von 1694 in Zweisimmen/Alteried und Hausweg 2 von 1705 in Boltigen/Weissenbach. Gehört wie diese zu den Hauptwerken des "Kalligraphenstils". Gadenfenster nachträglich vergrössert.
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Stampfligasse 5, datiert 1711, Gesamtsanierung 1993. Werkmeister Ulrich und Hans Brunner für "Peter Schüren und Christina Obertt". Traditionelle Strukturen. Jüngerer Anbau an der Ostseite. Die auffälligen Malereien an der symmetrischen Hauptfassade wurden 1943 ein erstes Mal restauriert und 1993 konserviert. Bauinschrift in reicher Fraktur, heraldische Motive, Pflanzen im "älteren Simmentaler Malstil".
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Kirchgasse 11. Ursprünglich Bauernhaus, später Schulhaus, seit 1983 Obersimmentaler Heimatmuseum. Diverse Bauphasen, Kern evtl. 1641, Baugeschichte noch nicht restlos geklärt; Wiederverwendung von Holz eines Vorgängerbaus? Im Obergeschoss innen eine gekerbte Bauinschrift, die als mutmasslichen Bauherrn Landeshauptmann Salomon Martig nennt. Wertvoll auch das weitgehend original erhaltene Innere, z.B. Küche mit Bretterkamin.
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Oeschseitenstrasse 2, datiert 1694, restauriert 1952. Zimmermeister Ulrich Bauer für Andres Trüthart und dessen Ehefrau Barbara Ubert. Prächtiges Haus mit vollsymmetrischer, reich bemalter und beschnitzter Fassade. Die Malereien gehören dem "Kalligraphenstil" an, sie wirken nicht gemalt, sondern geschrieben. Nahe Verwandtschaft zu Hausweg 2 in Boltigen/Weissenbach und zu Hausweg 11 in Zweisimmen/Obegg.
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Oeschseitenstrasse 19, datiert 1749. Symmetrische Fassade mit einer stark in den Raum ausgreifenden Gestaltung (Vorkrage, Fensterbänke, Mittelgwätte, Blockkonsolen) und reichem geschnitzten Dekor (Blendbögen, Glockenblumenfriese und andere Blumenmotive). Im Simmental und Saanenland übliche Mischbauweise. Stubengeschoss um 1900 ersetzt.
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Hüsy-Stutz 3, ehem. Bauernhaus von 1538. Ständer-/Blockbau mit auffallend asymmetrischer Einteilung der Fassade (renoviert 2003). Wieder hergestellte Reihenbefensterung über durchlaufender Fensterbank. Raumstruktur weitgehend intakt. Blockkonsolengruppe mit zeittypischem Stäbchenmotiv vollständig erhalten. Gehört zu den qualitativ hoch stehenden Bauten des 16. und frühen 17. Jh. im Weiler Blankenburg.