Zweisimmen - Lenk

Der Obersimmentaler Hausweg führt entlang eindrücklicher Gebäude mit hoher Zimmermannskunst und prächtiger Fassadenmalerei. Diese sind Ausdruck des grossen Reichtums, den die Zucht und der Export der inzwischen weltbekannten Simmentaler Kühe früh schon in das sonnige Bergtal brachten.

Die Wegstrecke von Zweisimmen nach Lenk beinhaltet fünfzehn herausragende Gebäude.

An jedem Haus angebrachte Tafeln informieren über Alter, Architektur und Besonderheiten. Der Hausweg, teils auf Naturpfaden, teils über Asphaltsträsschen mit wenig Verkehr, verläuft teilweise entlang der Lötschberger-Linie Spiez–Zweisimmen, so dass die Möglichkeit besteht die Wanderung abzukürzen (https://fahrplan.bls.ch/).

Wegstrecke Zweisimmen - Lenk ca. 17 km

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Kirchgasse 11. Ursprünglich Bauernhaus, später Schulhaus, seit 1983 Obersimmentaler Heimatmuseum. Diverse Bauphasen, Kern evtl. 1641, Baugeschichte noch nicht restlos geklärt; Wiederverwendung von Holz eines Vorgängerbaus? Im Obergeschoss innen eine gekerbte Bauinschrift, die als mutmasslichen Bauherrn Landeshauptmann Salomon Martig nennt. Wertvoll auch das weitgehend original erhaltene Innere, z.B. Küche mit Bretterkamin.
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Betelriedgasse 6, datiert 1586, Datierung in Hausteinpartie im Sockel. Das ursprüngliche Gebäude umfasste frontseitig eine schmale Nord- und eine breite Südstube. Den breitgelagerten Habitus erhielt das Haus erst durch die späteren, beidseitigen Erweiterungen. Weiter wurden im 19. Und 20. Jahrhundert sämtliche Fenster vergrössert und mit Fensterläden versehen; aus dem 16. Jahrhundert stammten somit nur noch das Giebelfeld mit den heute verglasten Rauchlöchern und die rechte Partie der Gadenwand.
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Lenkstrasse 17, datiert 1746, restauriert 1943. Zimmermeister Hans Imobersteg für Landseckelmeister Hans Peter Grünenwald und dessen Frau Anna Bühler. Wohlgepflegtes Wohnhaus mit guter Inneneinrichtung (bemalte Tür, Blankenburgerofen). Sockelgeschoss im 20. Jahrhundert umgebaut und befenstert. Fassadenmalerei in neuem, naturalistischen, grosszügigen, ja grossartigen Stil, der auch zahlreiche Saaner Fassaden zwischen 1730 und 1770 chareakterisiert ("Saanerschule"); Landseckelmeister Grünenwald, ein reicher Angehöriger der Führungsschicht, orientiert sich also an modernen Saaner Vorbildern und greift nicht auf die ältere Simmentaler Tradition zurück. Beachte grosse Blumen, Löwe, Bär und Storch, dann am Vordachhimmel Sonne, Mond und Sterne.
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Lenkstrasse 66, 1807 (Datierung im Innern), alte Post. Das auffällige Gebäude weist neben der der Strasse zugewandten, anspruchsvollen Giebelseite zwei fassadierte Traufseiten auf (Quergiebel Südseite 1. Hälfte 20. Jahrhundert). Ein firstparalleler Hausgang läuft durch das ganze, ursprünglich wohl als Wirtshaus gebaute Haus. Sicher ist jedenfalls, dass hier während der Schlossmärkte eine Pintenwirtschaft betrieben wurde. Schöner geschnitzter Dekor, z.T. mit pflanzlichen Motiven. Typisch für die Zeit auch das Fehlen von Malereien und Schrift.
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Betelriedgasse 3, Doppel-Bauernhaus, 2. Hälfte 16. Jhdt. Beidseitige Anbauten und Vergrösserung der Fenster im 19. Und 20. Jhdt. An der Untersicht von Blockkonsolen des Altbaus sind Andreaskreuze sichtbar. Dieses Motiv kommt, wie die Jakobsmuschel, im 16. Jhdt. im Simmental vor. Christian Rubi nimmt an, solche Häuser seien von "Andresen", von Mitgliedern einer in katholische Zeiten zurückreichenden Bruderschaft, erbaut worden. An diesem Objekt weiter sehr schöne Tuffsteingewände.
Bildet mit den westlich gelegenen Bauernhäusern Betelriedgasse 2, 2. Hälfte 17. Jh., und 4, von 1651, mit gekerbter Antiqua im Gadenbund, sowie dem nördlich gelegenen Bauernhaus Betelriedgasse 1, 17. Jhdt., mit weit aus der Fassade tretender Konsolengruppe mit aufwändigem Profilschnitt, eine markante Baugruppe im westlichen Teil des Weilers Blankenburg.
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Haselacher Nr. 330, datiert 1675, restauriert 1967. Zimmermeister Jacob Trachsel. Schönes zweistubenbreites Bauernhaus mit symmetrischer Fassade. Traditionelle Zimmerung in Mischbauweise. Fenster des Stubengeschosses nachträglich vergrössert. Malerei und plastischer Dekor stehen in stilistischer Verwandtschaft mit der 1670 erbauten „Alten Kastlanei“ in Saanen, einem der Hauptwerke von Zimmermeister Hans Tüller. Anfang der barocken Prachtentfaltung (siehe Hausweg 24 St. Stephan / Bifang Nr. 304). Davor Haselacher Nr. 329, Bauernhaus von 1843, heute Wohnhaus, eine doppelläufige Freitreppe von 1908 führt zum traufseitigen Haupteingang.
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Nr. 292, datiert 1831. Der schöne Ständerbau mit geschweifter Ründi steht mit einer traufseitigen Freitreppe an der Hauptstrasse, die korrigiert und teilweise neu angelegt worden ist. Die strenge Gliederung der Fassade mit Einzelfenstern und Fensterachsen entspricht der Zeit. Hübsche Details. Sockelausbauten jünger.
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Nr. 286, datiert 1555. Markantes Haus mit drei Frontstuben. Stubengeschoss jünger, Fenstergrössen und –stellung teilweise verändert. An einzelnen Blockkonsolen zeittypischer Dekor (Wülstchen). Datierung am Sturzbrett in einer schönen, spätgotischen Stube (nicht zugänglich). Am Nachbarhaus Nr. 288 (Bäckerei Kläy), ebenfalls 16. Jahrhundert, Andreaskreuze an der Untersicht der Blockkonsolen.
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Bifang Nr. 303, datiert 1610, restauriert 1965. Schönes zweistubenbreites Wohnhaus in landesüblicher Zimmerung. Im 20. Jahrhundert Vergrösserung der Fenster und neue Verglasung der Lauben. Im Giebel zwei prächtige, mit Zirkel und Schablone geschaffene Kreisornamente. Derartige Scheiben kommen vom ausgehenden 16. Jahrhundert bis um 1700 in den Tälern westlich der Niesenkette sehr häufig vor. Feine rot-schwarz-grün gefasste Rauten- und Würfelfriese.
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Bifang Nr. 304, datiert 1671, restauriert vor 1970. Zimmermeister Jacob Trachsel für "Gerichtssäss Hans Doene (des Grichts zu St. Steffan". Fenster im Stubengeschoss neu. Der hölzerne Aufbau zeichnet sich durch strenge Symmetrie und verhaltene Plastizität aus (kräftige Doppelschwelle, Vorkrage); die Profillinien der Blockkonsolen lösen sich mit ihren aufgesetzten Rollen und den tiefen Ausschnitten von der bisher üblichen Strenge. Im Sockel zwei nebeneinander gestellte, rundbogige Kellertüren, in der Mitte darüber das rätselhafte Motiv einer halbeingelassenen, steineren Kugel, wie wir es auch im Saanenland antreffen. Strenge, reiche Fassadenmalerei. Die Fassade steht am Anfang einer barocken Prachtentfaltung, die viele Häuser im Simmental und Saanenland bis um 1750 bestimmen wird.
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Bifang Nr. 311, datiert 1672, Stubengeschoss jünger restauriert 1968. Ansprechendes, zweistubenbreites Wohnhaus in traditioneller Disposition, Bauart und Gestaltung. Schnitzereien und Malereien sind mit dem Dekor an Haus Nr. 304 verwandt. Herausragend ist die sehr frühe Jagdszene auf der Brüstung des Gadengeschosses. Ein Jäger und mehrere Hunde jagen Bären und Gemsen, die hübsche Szene ist durch eine strenge Abfolge gegliedert. Jagdszenen kommen besonders häufig im späten 16. Jahrhundert im Frutigland, im späten 18. Jahrhundert im oberen Simmental und im Saanenland vor. Die Szene von 1672 in St. Stephan ist also nicht zeittypisch.
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Nr. 236, datiert 1696, renoviert 2012. Prächtiges, gut erhaltenes Bauernhaus mit drei breiten Frontstuben, traditionelle Mischkonstruktion, in der Fassade ist der anspruchsvolle Charakter des Hauses ablesbar: Bereits die doppelte Schwelle ist mit einem Würfelfries geschmückt, die Bohlen der Stubenbrüstung sind fein gerillt, über den beiden Fensterreihen folgt je eine grosse Ornamentzone mit zahlreichen geschnitzten Friesen. Die Reste einer verblichenen Fraktur, zwei Kreisornamente im Giebel, die Blendbogenfriese und die strenge Profillinie der Blockkonsolen erlauben eine Datierung des Hauses um 1675, also in die Zeit der Zimmermeister Jakob Trachsel und Hans Tüller (vgl. "Alte Kastlanei" 1671, Saanen Nr. 231/232).
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Lenkstrasse 116, Nr. 237, datiert 1633, restauriert 1979. Zimmermeister I. W. (wohl Jacob Wolet) für Barlome Reider. Hübsches Wohnhaus in traditioneller Mischbauweise. In der schlichten, streng symmetrischen Fassade fallen der vorkragende Giebel mit der langen Bauinschrift in gekerbter Antiqua sowie die schönen gekuppelten Tuffsteingewände im Sockel besonders auf.
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Nr. 1023, vermutlich frühes 18. Jhdt. Auf dem Schuttkegel des Wallbachs folgen die meisten alten Bauernhäuser der gleichen Anlage. Scheune und Wohnhaus sind hintereinander gesetzt, d.h. das Haus ist quer zum First geteilt. Der Wohnteil ist nach Süden orientiert. So auch das Haus Nr. 1023 mit seiner schmucklosen, weitgehend original erhaltenen Fassade. Das Haus zeichnet eine konstruktive Besonderheit aus, indem die Eckverbände des Erdgeschosses, im Gegensatz zur Simmentaler Tradition, in Blockbauweise gefügt sind.
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Nr. 1041, datiert 1778, restauriert 1971. Werkmeister Christen Christeler für Bartlome Greiben und Margreta Grünewald. Reiner Blockbau. Reich beschnitzte und bemalte Fassade, die weitgehend erhalten ist. Feine Flachschnitzereien auf den Fensterpföstchen und dem Sturzbalken des unteren Holzgeschosses. Im Giebel grosse Wappenschilde (Bern und Obersimmental). An den Gadenwänden und den Blockkonsolen findet man grossflächige, stilisierende Blumendarstellungen, wie sie in dieser Komposition und Farbgebung nur an der Lenk vorkommen.