Von Boltigen nach Oberwil

 

Der Simmentaler Hausweg führt entlang eindrücklicher Gebäude mit hoher Zimmermannskunst und prächtiger Fassadenmalerei. Diese sind Ausdruck des grossen Reichtums, den die Zucht und der Export der inzwischen weltbekannten Simmentaler Kühe früh schon in das sonnige Bergtal brachten.

Die Wegstrecke von Boltigen nach Oberwil beinhaltet acht herausragende Gebäude, darunter in Eichstalden eines der schönsten bemalten Bauernhäuser (Hausweg 22).

An jedem Haus angebrachte Tafeln informieren über Alter, Architektur und Besonderheiten. Der Hausweg, teils auf Naturpfaden, teils über Asphaltsträsschen mit wenig Verkehr, verläuft teilweise entlang der Lötschberger-Linie Spiez–Zweisimmen, so dass die Möglichkeit besteht die Wanderung abzukürzen (https://fahrplan.bls.ch/).

Wegstrecke Boltigen - Oberwil ca. 7 km

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Die spärliche Burgruine Eichstalden liegt auf einem Felsgrat bei Seeweid am alten Simmentalweg und riegelt zusammen mit der Schattenburg und der Simmenegg das Simmental ab.
Mittelalterliche Kirche, dem Heiligen Mauritius geweiht. Nach dem Brand von 1840 mit neuer Innenausstattung wieder hergestellt. Heutiger Turmhelm von 1964. Längsrechteckiges, etwas gedrungen wirkendes Schiff mit leicht geknicktem Satteldach, rundbogigen Fenstergewändern aus Tuffstein und gemalten Eckquadern. Portalvorhalle mit Säulen. Im Innern Holztonnengewölbe im Schiff, hölzernes Kreuzgratgewölbe im Chor.
Eisenbahn-Viadukt von 1900, direkt südlich der Haltestelle Enge. Sorgfältig aus rustizierenden Kalksteinen gefügte Bogenbrücke über eine Geländemulde südlich der Siedlung Buusche. Das Bauwerk besteht aus zwei Stichbogen über einem niedrigen, zentralen Pfeilersockel.
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Ehemaliges Wohnhaus (Nr. 219) mit Gerichtsstube von 1758, ab 1884 Hotel Imobersteg, heute Hotel Simmenthal, regionaltypisch gemischt konstruierter Bau mit respräsentativem Anspruch. Dieses frühe Beispiel eines Hauses mit Teilwalmdach ersetzte 1758 ein Haus aus dem 17. Jahrhundert, worauf antiquabeschriftete Bauteile auf der Traufseite hinweisen. Um- und Anbauten aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
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Das 1697 erbaute Gebäude (Nr. 225) ist ein stattlich breit angelegter Bau mit regionaltypisch gemischter Konstruktion. Kreisornamente und Pflanzenmotive im Kalligraphenstil. Über dem Gaden zweizeiliges Schriftband in gemalter Fraktur.
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Hotel Bären (Nr. 214), verputzter Riegbau mit Ründi.
Gegenüber "Villa Lichtenhahn" (Nr. 226), kubischer Putzbau mit Mansarddach, erbaut um 1830.
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Am unteren Dorfausgang um 1820 erbautes Ründihaus (Nr. 227/28) mit elf Achsen. Spätes Beispiel barocker Tradition, jedoch reiner Ständerbau mit Einzelfenstern. Ursprünglich Grauanstrich, um Steinbauweise vorzutäuschen (bei der Fassadensanierung 1989 entfernt).
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Bauernhaus, heute Doppelhaus (Nr. 85/86), erbaut 1655 von Zimmermeister Stäfen Bärgman für Hans Danner und Anna Bettler, zeigt eine symmetrische Fassade sowie mit Fratzenkonsolen gestützte Vorkrage beider Geschosse. Dazu reiche Zimmermannsmalerei und gekerbte rot-schwarz gefasste Antiquainschriften. Die Proportionen sind von klassischer Harmonie, geschnitzter und gemalter Schmuck setzen Akzente mit künstlerischer Sicherheit.
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Dieses Bauernhaus (Nr. 46), erbaut 1745 von Zimmermeister Christian Wolet für Hans Matti und Susanna Lehnherrin, ist eines der schönsten bemalten Häuser des Simmentals. Die flächendeckende Bemalung sowie die in Versen gefasste Frakturinschrift weisen auf Stephan Allenbach hin: Die Jahrzahl Sich belaufft aufs fünff und Vierzigst Jahr Das in der Ordnung folgt auf Tausend-siebenhundert als alle Welt voll Krieg Und jeder sich Verwundert Das Nur die Schweitz allein in Ruh und Friede War (Zweiter Schlesischer Krieg). Vor dem Haus Eichstalden finden sich Reste einer gleichnamigen Burg. Die Burgruine Simmenegg sitzt auf dem schmalen Felssporn unterhalb, hart an der Talstrasse.
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Nahe der Haltestelle Engi treffen wir auf eine Streusiedlung mit gut erhaltenem Baubestand und Holzbrücke (Nr. 315).

Dicht dabei lassen Wasserzubringer und Mauer eine ehemalige Mühle (Nr. 270) erkennen.

Weiter Richtung Oberwil "A der Zälg" Nr. 258, erbaut 1806 von Zimmermeister Hans Messerli.

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Pension Hirschen (Nr. 265), 1793 erstmals urkundlich erwähnt (Baujahr unbekannt) und 1987 mit viel Verständnis für die alte Bausubstanz erneuert. Galt als willkommene Säumerherberge zwischen Weissenburg und Boltigen. Der Raum über der Gerichtsstube wird bis heute Säumergaden genannt.