Von Erlenbach nach Wimmis

Der Simmentaler Hausweg führt entlang eindrücklicher Gebäude mit hoher Zimmermannskunst und prächtiger Fassadenmalerei. Diese sind Ausdruck des grossen Reichtums, den die Zucht und der Export der inzwischen weltbekannten Simmentaler Kühe früh schon in das sonnige Bergtal brachten.

Eindrücklich zeigt dies das Haus "Sälbeze" (Hausweg 7) mit seiner prächtigen Fassadenmalereien und des farbig gefassten Zimmermannsschmuckes. Auf der Wegstrecke ein herrlicher Ort für eine Rast auf der Bank mit der Inschrift "Komm, ruh dich aus müder Wanderer".
Im Agensteinhaus (Hausweg 39) in Erlenbach befindet sich heute das Talmuseum. Nebst der ausgezeichneten Sammlung zu Talgeschichte, Zimmermannskunst sowie Bergland- und Alpwirtschaft, kann hier ein Einblick ins Innere dieser alten Häuser gewonnen werden (Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. Oktober, Mittwoch und Samstag, 14.00 bis 17.00 Uhr).

An jedem Haus angebrachte Tafeln informieren über Alter, Architektur und Besonderheiten. Der Hausweg, teils auf Naturpfaden, teils über Asphaltsträsschen mit wenig Verkehr, verläuft teilweise entlang der Lötschberger-Linie Spiez–Zweisimmen, so dass die Möglichkeit besteht die Wanderung abzukürzen (www.loetschberger.ch/fahrplan).

Wegstrecke Erlenbach-Wimmis ca. 10 km.

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Haus Ast (Unterdorfstrasse 2), erbaut um 1800, renoviert 1956 und 1991. Stattlicher reiner Blockbau mit massivem Sockelgeschoss. Ausgewogene, breitgelagerte Fassade. Wellen- und Würfelfriese. Flachschnitzereien, Farbakzente in rot, weiss, grün und schwarz. Vornehm wirkende traufseitige Freitreppe. Die rückseitig integrierte Scheune mit Tenn und das Ründi-Stöckli zeigen mittelländischen Einfluss.

Schiefwinklig jenseits der Unterdorfstrasse 1A: Ständer-/Blockbau von 1627, 1705 durch Stubenanbau verbreitert.

Auf der gleichen Unterdorfstrassenseite 10, kleines Haus, erbaut Mitte 16. Jahrhundert mit ursprünglich winzigen Gadenfenstern.

2
Haus Sury (Unterdorfstrasse 31/33), erbaut 1759 als Bauernhaus für Isaac Lörtscher Chorrichter und Maria Ulmann sein Ehgemahl mit reicher Spruch-, Wappen- und Rankenbemalung. Heute Doppelwohnhaus.
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Kräftig gegliederter Blockbau von 1762, Wohnteil reich mit Friesen verziert. Freitreppe mit Kalksteinstufen. Mehrzweckhaus (Stall und Wohnteil unter einem Dach). Sogenannter „Frutigtyp“ (Haus längs des Firstes in Wohn- und Wirtschaftsteil geteilt).
4
Erbaut 1534 und 1544 mit „Heidenkreuz“ (Firstpfosten mit seitlichen Verstrebungen, Wülsten und Rillen), ältestes erhaltenes Wohnhaus in Wimmis, umgebaut und renoviert 1982/83.
5
Mühlenanlage (Mühligasse 6 & 8) erbaut entlang des ursprünglich offenen Dorfbachs. Mühle von 1702 (Nr. 6): aufragender Ständerbau mit geknicktem Viertelwalmdach. Giebellaube als Vordachkonstruktion. Vertikale Betriebsanlage mit sog. Sackaufzug. Kanal und Wasserrad ursprünglich an der Rückseite des Obergeschosses.
Mühlestöckli von 1827 (Nr. 8): Ständerbau mit Einzelfenstern, Dach mit Gehrschilden. Der Bau steht im spitzen Winkel zur Mühle, damit entsteht in der Mühlegasse ein kleiner Platz.
6
Bauernhaus (Platzweg 1), erbaut 1687 von Zimmermeister Bendicht Bäller von Watenwil für Johann Schmid der Zit Obman und Susanna Schwingruber, sein Hausfrou. Neue Einzelfenster aus der Biedermeierzeit, erste Hälfte 19. Jahrhundert. Reiche Antiquainschriften, ab 1907 Pension "Burgfluh", heute Wohnhaus, restauriert 1987.

Gegenüber an der Oberdorfstrasse 18: Kleines Simmentalerhaus von 1657, Pfettenköpfe als stilisierte Tierschnauzen profiliert, rot-schwarze Antiquainschrift. Sternmotiv an Pfettenunterseite. Radornamente mit Lilienstäben im Giebelfeld.

7
Das Haus (Nr. 714) wurde 1738 vermutlich von Zimmermeister Christian Wolet für Christen Jantzs und Susana Hildtbrand erbaut. Eindrückliches Beispiel simmentalischer Zimmermannskunst und Hausmalerei an der Süd- und der Nordfassade. Reines Wohnhaus auf Mauersockel, Stubengeschoss Ständerbau, Gadengeschoss Blockbau. Die symmetrische Giebelfassade mit frontaler Freitreppe zeigt ein virtuoses ornamentales Spiel mit plastischer Akzentuierung von Schwellen, Bünden, Simsen, Gwätt und Konsolen. Steigerung der Gesamtwirkung durch die farbige Fassung des Zimmermannsschmuckes; dazu gemalte Blumengebilde, Tiere, Wappen und reiche Frakturinschriften. Die David-und-Goliath-Darstellung an der Südfront weist auf den Adelbodner Maler Stephan Allenbach (1707-1779) hin.
8
Das 1689 von Zimmermeister Michael Räber für Christen Hiltbrand und Elsbeth Agenstein erbaute Haus (Nr. 682), zeigt einen Stubenanbau aus der Bauzeit, 1972 erneuert. Schwarz gefasste, gekerbte Antiqua- und Frakturschriften begleiten das auf Würfel und Rauten beschränkte rot-schwarze Schnitzwerk.

Nördlich davon ein Haus mit der Jahreszahl 1516 am Flugfirst und damit die älteste Datierung im Berner Oberland (Nr. 685).

9
Das Haus (Nr. 692) wurde 1737 von Zimmermeister Christian Wolet für Wachtmeister Jacob Agestein und Margret Regets erbaut. 1973 umfassend umgebaut. Giebeldreieck original erhalten. Übrige Fassade mit Malereien und Inschriften nach dem Vorbild des 1745 vom gleichen Zimmermeister erbauten Eichstaldens ob Boltigen erneuert (vgl. Hausweg 22).
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Ründihaus (Nr. 6/6A) von 1792, erbaut für Jakob Reber. Südorientiertes Wohnhaus in Ständer-/Blockbau. Trotz des hohen Krüppelwalmdaches nur zwei voll ausgebildete Holzgeschosse. Reich verziert (Friese, filigrane Bundkopf-Konsolen, Block-Konsolen).