Von Oberwil nach Weissenburg

Der Simmentaler Hausweg führt entlang eindrücklicher Gebäude mit hoher Zimmermannskunst und prächtiger Fassadenmalerei. Diese sind Ausdruck des grossen Reichtums, den die Zucht und der Export der inzwischen weltbekannten Simmentaler Kühe früh schon in das sonnige Bergtal brachten.
Vier Häuser liegen entlang der Wegstrecke Oberwil-Weissenburg. Herausragend mit seinen Inschriften und der vielfarbigen flächendeckenden Malerei ist das 1757 von Baumeister Ulrich Ulrich erbaute "Vennerhaus" (Hausweg 26). Die Pension Hirschen (Hausweg 24) in Oberwil galt als willkommene Säumerherberge zwischen Weissenburg und Boltigen.

An jedem Haus angebrachte Tafeln informieren über Alter, Architektur und Besonderheiten. Der Hausweg, teils auf Naturpfaden, teils über Asphaltsträsschen mit wenig Verkehr, verläuft teilweise entlang der Lötschberger-Linie Spiez–Zweisimmen, so dass die Möglichkeit besteht die Wanderung abzukürzen (https://fahrplan.bls.ch/).

Wegstrecke Oberwil-Weissenburg ca. 6 km

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Eisenbahn-Viadukt von 1900. Sorgfältig aus rustizierenden Kalksteinen gefügte Bogenbrücke in leicht gebogener Linienführung mit 5 zentralen Bogenstellungen zwischen langen, massiven Brückenköpfen.
Die gedeckte Holzbrücke quert die Simme, in diesem Bereich Grenze zwischen den Gemeinden Oberwil und Därstetten. Die Brücke wurde 1936 erbaut. Sie ruht auf Widerlagern aus bossierten Kalksteinquadern. Mehrfaches Hängewerk unter Dreiviertelwalmdach. Quer dazu Steinbrücke über den Buuschenbach.
Bahnhof und Güterschuppen sind als Ständerkonstruktion unter einem steilen Satteldach ausgeführt. Die ehemals ocker gefasste Front ist spätklassizistisch geprägt. Zierkonsolen und Giebelbretter in Schweizer Holzstil sowie die angebaute offene Wartehalle mit zierlichen Vierkantpfeilern ergänzen den wohlproportionierten Bau, der an der 1902 neu eröffneten Bahnlinie steht.
Das Aborthäuschen von 1902 wurde 2000 in ein Brunnenhaus umgewandelt. Die zierliche Ständerkonstruktion ruht auf einem teilweise gemauerten Sockel, der den Terrainsprung aufnimmt. Bundbalken aus scherenschnittartigen Sägemotiven im Schweizer Holzstil. An der westlichen Längsseite befindet sich der Schlussstein des Gewölbes der ehemaligen Weissenburger Quellfassung von 1604.
Die Eisenbahnbrücke wurde 1912 erstellt. Sie quert den tiefen Einschnitt des Buuschebaches, der an dieser Stelle die Gemeindegrenze zwischen Oberwil i. S. und Därstetten bildet. Sie besteht aus zwei mit Rundbogen aufgebrochenen Widerlagern und zwei hohen Strebepfeilern, allesamt mit rustizierenden Kalksteinen verkleidet. Auf diesen lastet ein genieteter Fachwerkträger.
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Pension Hirschen (Nr. 265), 1793 erstmals urkundlich erwähnt (Baujahr unbekannt) und 1987 mit viel Verständnis für die alte Bausubstanz erneuert. Galt als willkommene Säumerherberge zwischen Weissenburg und Boltigen. Der Raum über der Gerichtsstube wird bis heute Säumergaden genannt.
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Bauernhaus von 1754 (Nr. 140), 1922 umgebaut, in den fünfziger Jahren durch Christian Rubi restauriert und neu bemalt. Seltenes Beispiel eines weitgehend erhaltenen originalen Stubengeschosses.
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"Vennerhaus" (Nr. 201), Ständer-/Blockbau mit abgewalmtem, steilem Satteldach und Sparrenknechten auf weit ausholenden Blockkonsolen. Erbaut 1757 von Baumeister Ulrich Ulrich, Maurermeister Hans Im Obersteg und Zimmermeister Hans Messerli für Jakob Joneli derzeit Landesvener, und Margret Regetz sein Ehegemahlin /Anna Joneli Ihr Töchterlin. Die Inschrift zählt alle Mitarbeiter namentlich auf. Einmalig ist die Inschrift auf der Schwelle: Der Maler Allenbach als ein armer Tropf dem Meister Amrein als ein listiger Kopf gar wohl behilflich war mit malen und Farb reiben, dass er wohl soll die Meisterschaft haben. Die vielfarbige Malerei ist flächendeckend und zeigt, nebst der grosszügigen Krönung im Giebel mit den Wappen Joneli und Regetz, Füllhörner, Blumen, Rebstöcke, Kartuschen und Ranken, sowie die farbige Fassung der stark plastisch geschnitzten Bauteile. Die reichen Frakturen verschiedener Schriftgrade - von der monumentalen auf der Gadenbrust bis zu zierlichen in den Kartuschen - enthalten nebst der Baudokumentation Verse dieses Malers und Poeten Stephan Allenbach (Zitat aus der Kirche Adelboden). Auch hier gibt es eine Sonntagsstube. Das Stubenwerk wurde um 1900 erneuert und verändert (Einzelfenster). Grosse Renovation 2007, besonders des Stubengeschosses.
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Das Haus (Nr. 184) wurde 1667 von Zimmermeister Stäfen Bärgman erbaut.

Talauswärts, in der romantischen Buuscheschlucht, finden sich Überreste des einst mondänen Weissenburg-Bades.