Talweg

 

Der Simmentaler Hausweg führt entlang eindrücklicher Gebäude mit hoher Zimmermannskunst und prächtiger Fassadenmalerei. Diese sind Ausdruck des grossen Reichtums, den die Zucht und der Export der inzwischen weltbekannten Simmentaler Kühe früh schon in das sonnige Bergtal brachten.

An jedem Haus angebrachte Tafeln informieren über Alter, Architektur und Besonderheiten. Der Hausweg, teils auf Naturpfaden, teils über Asphaltsträsschen mit wenig Verkehr, verläuft teilweise entlang der Lötschberger-Linie Spiez–Zweisimmen, so dass die Möglichkeit besteht die Wanderung abzukürzen (https://fahrplan.bls.ch/).


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Gedeckte Holzbrücke von 1996, die den Vorgängerbau ersetzt. Vom Vorgängerbau zu sehen sind noch die Widerlager aus zugehauenen Bruchsteinblöcken.
Die Kirche bildet mit Pfarrhaus und Waschhaus ein historisches Ensemble, ursprünglich Teil des einstigen Augustiner-Chorherrenstifts.
Schlichte Saalkirche aus dem 12. Jahrhundert, ursprünglich der Heiligen Maria geweiht. Ausladendes Vordach, Turm mit Spitzhelm von 1926. Heutige Erscheinung des Kirchenschiffs mit Flachdecke, Rechteckchor und Empore auf mehrere Umbauphasen, zuletzt im 17. Jahrhundert, zurückzuführen. Bedeutende Wandmalereien aus dem 13. / 14. Jahrhundert. Chorherrenpforte mit Quadermalerei und Inschrift.
Gedeckte Holzbrücke auf Widerlagern aus rustikal behauenen Kalksteinquadern. Als doppeltes Hängewerk konstruiert, halb abgewalmtes Satteldach mit offenem Dachstuhl, erbaut 1934.
Die gedeckte Holzbrücke quert die Simme, in diesem Bereich Grenze zwischen den Gemeinden Oberwil und Därstetten. Die Brücke wurde 1936 erbaut. Sie ruht auf Widerlagern aus bossierten Kalksteinquadern. Mehrfaches Hängewerk unter Dreiviertelwalmdach. Quer dazu Steinbrücke über den Buuschenbach.
Bahnhof und Güterschuppen sind als Ständerkonstruktion unter einem steilen Satteldach ausgeführt. Die ehemals ocker gefasste Front ist spätklassizistisch geprägt. Zierkonsolen und Giebelbretter in Schweizer Holzstil sowie die angebaute offene Wartehalle mit zierlichen Vierkantpfeilern ergänzen den wohlproportionierten Bau, der an der 1902 neu eröffneten Bahnlinie steht.
Das Aborthäuschen von 1902 wurde 2000 in ein Brunnenhaus umgewandelt. Die zierliche Ständerkonstruktion ruht auf einem teilweise gemauerten Sockel, der den Terrainsprung aufnimmt. Bundbalken aus scherenschnittartigen Sägemotiven im Schweizer Holzstil. An der westlichen Längsseite befindet sich der Schlussstein des Gewölbes der ehemaligen Weissenburger Quellfassung von 1604.
Die Eisenbahnbrücke wurde 1912 erstellt. Sie quert den tiefen Einschnitt des Buuschebaches, der an dieser Stelle die Gemeindegrenze zwischen Oberwil i. S. und Därstetten bildet. Sie besteht aus zwei mit Rundbogen aufgebrochenen Widerlagern und zwei hohen Strebepfeilern, allesamt mit rustizierenden Kalksteinen verkleidet. Auf diesen lastet ein genieteter Fachwerkträger.
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Haus Ast (Unterdorfstrasse 2), erbaut um 1800, renoviert 1956 und 1991. Stattlicher reiner Blockbau mit massivem Sockelgeschoss. Ausgewogene, breitgelagerte Fassade. Wellen- und Würfelfriese. Flachschnitzereien, Farbakzente in rot, weiss, grün und schwarz. Vornehm wirkende traufseitige Freitreppe. Die rückseitig integrierte Scheune mit Tenn und das Ründi-Stöckli zeigen mittelländischen Einfluss.

Schiefwinklig jenseits der Unterdorfstrasse 1A: Ständer-/Blockbau von 1627, 1705 durch Stubenanbau verbreitert.

Auf der gleichen Unterdorfstrassenseite 10, kleines Haus, erbaut Mitte 16. Jahrhundert mit ursprünglich winzigen Gadenfenstern.

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Haus Sury (Unterdorfstrasse 31/33), erbaut 1759 als Bauernhaus für Isaac Lörtscher Chorrichter und Maria Ulmann sein Ehgemahl mit reicher Spruch-, Wappen- und Rankenbemalung. Heute Doppelwohnhaus.
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Kräftig gegliederter Blockbau von 1762, Wohnteil reich mit Friesen verziert. Freitreppe mit Kalksteinstufen. Mehrzweckhaus (Stall und Wohnteil unter einem Dach). Sogenannter „Frutigtyp“ (Haus längs des Firstes in Wohn- und Wirtschaftsteil geteilt).
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Erbaut 1534 und 1544 mit „Heidenkreuz“ (Firstpfosten mit seitlichen Verstrebungen, Wülsten und Rillen), ältestes erhaltenes Wohnhaus in Wimmis, umgebaut und renoviert 1982/83.
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Mühlenanlage (Mühligasse 6 & 8) erbaut entlang des ursprünglich offenen Dorfbachs. Mühle von 1702 (Nr. 6): aufragender Ständerbau mit geknicktem Viertelwalmdach. Giebellaube als Vordachkonstruktion. Vertikale Betriebsanlage mit sog. Sackaufzug. Kanal und Wasserrad ursprünglich an der Rückseite des Obergeschosses.
Mühlestöckli von 1827 (Nr. 8): Ständerbau mit Einzelfenstern, Dach mit Gehrschilden. Der Bau steht im spitzen Winkel zur Mühle, damit entsteht in der Mühlegasse ein kleiner Platz.
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Bauernhaus (Platzweg 1), erbaut 1687 von Zimmermeister Bendicht Bäller von Watenwil für Johann Schmid der Zit Obman und Susanna Schwingruber, sein Hausfrou. Neue Einzelfenster aus der Biedermeierzeit, erste Hälfte 19. Jahrhundert. Reiche Antiquainschriften, ab 1907 Pension "Burgfluh", heute Wohnhaus, restauriert 1987.

Gegenüber an der Oberdorfstrasse 18: Kleines Simmentalerhaus von 1657, Pfettenköpfe als stilisierte Tierschnauzen profiliert, rot-schwarze Antiquainschrift. Sternmotiv an Pfettenunterseite. Radornamente mit Lilienstäben im Giebelfeld.

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Das Haus (Nr. 714) wurde 1738 vermutlich von Zimmermeister Christian Wolet für Christen Jantzs und Susana Hildtbrand erbaut. Eindrückliches Beispiel simmentalischer Zimmermannskunst und Hausmalerei an der Süd- und der Nordfassade. Reines Wohnhaus auf Mauersockel, Stubengeschoss Ständerbau, Gadengeschoss Blockbau. Die symmetrische Giebelfassade mit frontaler Freitreppe zeigt ein virtuoses ornamentales Spiel mit plastischer Akzentuierung von Schwellen, Bünden, Simsen, Gwätt und Konsolen. Steigerung der Gesamtwirkung durch die farbige Fassung des Zimmermannsschmuckes; dazu gemalte Blumengebilde, Tiere, Wappen und reiche Frakturinschriften. Die David-und-Goliath-Darstellung an der Südfront weist auf den Adelbodner Maler Stephan Allenbach (1707-1779) hin.
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Das 1689 von Zimmermeister Michael Räber für Christen Hiltbrand und Elsbeth Agenstein erbaute Haus (Nr. 682), zeigt einen Stubenanbau aus der Bauzeit, 1972 erneuert. Schwarz gefasste, gekerbte Antiqua- und Frakturschriften begleiten das auf Würfel und Rauten beschränkte rot-schwarze Schnitzwerk.

Nördlich davon ein Haus mit der Jahreszahl 1516 am Flugfirst und damit die älteste Datierung im Berner Oberland (Nr. 685).

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Das Haus (Nr. 692) wurde 1737 von Zimmermeister Christian Wolet für Wachtmeister Jacob Agestein und Margret Regets erbaut. 1973 umfassend umgebaut. Giebeldreieck original erhalten. Übrige Fassade mit Malereien und Inschriften nach dem Vorbild des 1745 vom gleichen Zimmermeister erbauten Eichstaldens ob Boltigen erneuert (vgl. Hausweg 22).
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Ründihaus (Nr. 6/6A) von 1792, erbaut für Jakob Reber. Südorientiertes Wohnhaus in Ständer-/Blockbau. Trotz des hohen Krüppelwalmdaches nur zwei voll ausgebildete Holzgeschosse. Reich verziert (Friese, filigrane Bundkopf-Konsolen, Block-Konsolen).
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"Heidehus" (Nr. 429/429A), dendrochronologisch datiert auf 1491/92, mehrfach umgebaut. Das Haus weist über der Frontlaube ein 3,8 m auskragendes Vordach auf, das von einem "Heidenkreuz" und einem durchzäpften Ankerbalken nach Ständerbauweise getragen wird. Die Mischung mit Blockbauelementen ergibt ein archaisches Unikum.
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Das Haus (Nr. 420) wurde um 1771 von Zimmermeister Hans Messerli erbaut, in gepflegter Handwerkstradition mit spätbarockem Gestaltungswillen, mit Ofenhaus, Scheune und Brunnen.
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1630 von Zimmermeister Hans Wolet erbaut, trägt das Haus rot-schwarze Rauten und kleine Antiquainschrift (Nr. 335/335A). Es bildet mit der neu erbauten Scheune einen Paarhof. Beachtenswert die Trauflaube mit Zugang zur Küche.
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Das Haus wurde 1631 von Hans Wolet "dem Jungen" erbaut (Nr. 336/336A). Die Zimmermeisterdynastie Wolet kann bis 1745 (siehe Hausweg 22) verfolgt werden. Die spezifische Zimmermannsmalerei zeigt Lilien, Werkzeug-Schablonenmotive, Antiquainschriften in eigenwilliger Orthographie und rot-schwarzer Fassung des Schnitzwerkes (Wappenschild mit Bär, Kreismotive, Lilien und Breitaxt).
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Das Haus (Nr. 334/334A) wurde 1655 von Stäfen Bärgman, dem bedeutendsten Zimmermeister des 17. Jahrhunderts, für Bendicht Schumacher und Madlena Büler erstellt. Frühe barocke, die ganze Schaufront belebende Verzierungen.

Hinweis: Von Wiler gelangt man über die Hauswegnummer 27A oberhalb der Station Därstetten nach Nidflue (Terrassenweg Hausweg 28 bis 31).
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1756 von Zimmermeister Hans Messerli für Hans und Christen Knutti und deren Ehefrauen gebaut, gilt das "Knuttihaus" (Nr. 47) mit der auffälligen traufseitigen Freitreppe und Eingangstür als berühmtester Simmentalerbau. Vermutlich von Stephan Allenbach bemalt. Untersicht mit Sternenhimmel. Ebenfalls im Originalzustand präsentiert sich die Fensterordnung. Malerei und marmorierte Rafen wurden zuletzt 1980 und 2002 teilweise renoviert. Aus den aufwendigen Inneneinrichtungen sticht die Sonntagsstube mit intarsierten Türen und eingebautem Buffet hervor. Der Solothurner Anton Schwaller malte 1760 die Bilder direkt auf die Flecklingswände.
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Das Haus (Nr. 161) wurde 1759 von Zimmermeister Hans Messerli für Salome und Madlena Mani erbaut und mit feinen Skulpturen überzogen. Malerei und Spruchweisheit der Südfassade werden Stephan Allenbach zugeschrieben, die Nordfassade Antoni Schwaller, der auch die Sonntagsstube in diesem Haus mit figürlichen Malereien versehen hat. Die Nordfassade ist nicht nach Simmentaler Tradition gemalt, sondern in europäischer "gängiger" spätbarocker Dekorationsmalerei. Einmalig für das Oberland sind die beiden "Fenstergucker" und die Türfigur. Stellen sie die Mani-Töchter dar?