Terrassenweg

 

Der Simmentaler Hausweg führt entlang eindrücklicher Gebäude mit hoher Zimmermannskunst und prächtiger Fassadenmalerei. Diese sind Ausdruck des grossen Reichtums, den die Zucht und der Export der inzwischen weltbekannten Simmentaler Kühe früh schon in das sonnige Bergtal brachten.

An jedem Haus angebrachte Tafeln informieren über Alter, Architektur und Besonderheiten. Der Hausweg, teils auf Naturpfaden, teils über Asphaltsträsschen mit wenig Verkehr, verläuft teilweise entlang der Lötschberger-Linie Spiez–Zweisimmen, so dass die Möglichkeit besteht die Wanderung abzukürzen (https://fahrplan.bls.ch/).


zoom
Die spärliche Burgruine Eichstalden liegt auf einem Felsgrat bei Seeweid am alten Simmentalweg und riegelt zusammen mit der Schattenburg und der Simmenegg das Simmental ab.
Mittelalterliche Kirche, dem Heiligen Mauritius geweiht. Nach dem Brand von 1840 mit neuer Innenausstattung wieder hergestellt. Heutiger Turmhelm von 1964. Längsrechteckiges, etwas gedrungen wirkendes Schiff mit leicht geknicktem Satteldach, rundbogigen Fenstergewändern aus Tuffstein und gemalten Eckquadern. Portalvorhalle mit Säulen. Im Innern Holztonnengewölbe im Schiff, hölzernes Kreuzgratgewölbe im Chor.
Die steinerne Burg war das Zentrum der Herrschaft der Freiherren von Erlenbach (als „Arlunbach“ erstmals 1133 urkundlich erwähnt). Auf dem Pfrundhubel westlich des Primarschulhauses sind heute noch Teile des Turmfundamentes, der Ringmauer und des Burggrabens sichtbar.
Eisenbahn-Viadukt von 1900, direkt südlich der Haltestelle Enge. Sorgfältig aus rustizierenden Kalksteinen gefügte Bogenbrücke über eine Geländemulde südlich der Siedlung Buusche. Das Bauwerk besteht aus zwei Stichbogen über einem niedrigen, zentralen Pfeilersockel.
Das Weissenburgbad war ein Thermalbad in der Gemeinde Därstetten. Es liegt auf einer sonnigen Terrasse im Buuschetal, einem Seitenarm des Simmentals. Entdeckt wurde die Thermalquelle um 1600 durch Antoni Bacher und schon bald empfing man die ersten Badegäste. 1694 ersetzte ein Badehaus die einfachen Hütten. Im 19. Jahrhundert erlebte das Kuranstalt Weissenburg einen grossen Aufschwung, in den beiden Kurhäusern konnten bis zu 170 Gäste untergebracht werden. Nach den beiden Weltkriegen begann der Niedergang der renommierten Kuranstalt. 1974 fiel das ruinöse Luxushotel einem Brand zum Opfer.
19
Ehemaliges Wohnhaus (Nr. 219) mit Gerichtsstube von 1758, ab 1884 Hotel Imobersteg, heute Hotel Simmenthal, regionaltypisch gemischt konstruierter Bau mit respräsentativem Anspruch. Dieses frühe Beispiel eines Hauses mit Teilwalmdach ersetzte 1758 ein Haus aus dem 17. Jahrhundert, worauf antiquabeschriftete Bauteile auf der Traufseite hinweisen. Um- und Anbauten aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
19A
Das 1697 erbaute Gebäude (Nr. 225) ist ein stattlich breit angelegter Bau mit regionaltypisch gemischter Konstruktion. Kreisornamente und Pflanzenmotive im Kalligraphenstil. Über dem Gaden zweizeiliges Schriftband in gemalter Fraktur.
19B
Hotel Bären (Nr. 214), verputzter Riegbau mit Ründi.
Gegenüber "Villa Lichtenhahn" (Nr. 226), kubischer Putzbau mit Mansarddach, erbaut um 1830.
20
Am unteren Dorfausgang um 1820 erbautes Ründihaus (Nr. 227/28) mit elf Achsen. Spätes Beispiel barocker Tradition, jedoch reiner Ständerbau mit Einzelfenstern. Ursprünglich Grauanstrich, um Steinbauweise vorzutäuschen (bei der Fassadensanierung 1989 entfernt).
21
Bauernhaus, heute Doppelhaus (Nr. 85/86), erbaut 1655 von Zimmermeister Stäfen Bärgman für Hans Danner und Anna Bettler, zeigt eine symmetrische Fassade sowie mit Fratzenkonsolen gestützte Vorkrage beider Geschosse. Dazu reiche Zimmermannsmalerei und gekerbte rot-schwarz gefasste Antiquainschriften. Die Proportionen sind von klassischer Harmonie, geschnitzter und gemalter Schmuck setzen Akzente mit künstlerischer Sicherheit.
22
Dieses Bauernhaus (Nr. 46), erbaut 1745 von Zimmermeister Christian Wolet für Hans Matti und Susanna Lehnherrin, ist eines der schönsten bemalten Häuser des Simmentals. Die flächendeckende Bemalung sowie die in Versen gefasste Frakturinschrift weisen auf Stephan Allenbach hin: Die Jahrzahl Sich belaufft aufs fünff und Vierzigst Jahr Das in der Ordnung folgt auf Tausend-siebenhundert als alle Welt voll Krieg Und jeder sich Verwundert Das Nur die Schweitz allein in Ruh und Friede War (Zweiter Schlesischer Krieg). Vor dem Haus Eichstalden finden sich Reste einer gleichnamigen Burg. Die Burgruine Simmenegg sitzt auf dem schmalen Felssporn unterhalb, hart an der Talstrasse.
23
Nahe der Haltestelle Engi treffen wir auf eine Streusiedlung mit gut erhaltenem Baubestand und Holzbrücke (Nr. 315).

Dicht dabei lassen Wasserzubringer und Mauer eine ehemalige Mühle (Nr. 270) erkennen.

Weiter Richtung Oberwil "A der Zälg" Nr. 258, erbaut 1806 von Zimmermeister Hans Messerli.

24
Pension Hirschen (Nr. 265), 1793 erstmals urkundlich erwähnt (Baujahr unbekannt) und 1987 mit viel Verständnis für die alte Bausubstanz erneuert. Galt als willkommene Säumerherberge zwischen Weissenburg und Boltigen. Der Raum über der Gerichtsstube wird bis heute Säumergaden genannt.
25
Bauernhaus von 1754 (Nr. 140), 1922 umgebaut, in den fünfziger Jahren durch Christian Rubi restauriert und neu bemalt. Seltenes Beispiel eines weitgehend erhaltenen originalen Stubengeschosses.
26
"Vennerhaus" (Nr. 201), Ständer-/Blockbau mit abgewalmtem, steilem Satteldach und Sparrenknechten auf weit ausholenden Blockkonsolen. Erbaut 1757 von Baumeister Ulrich Ulrich, Maurermeister Hans Im Obersteg und Zimmermeister Hans Messerli für Jakob Joneli derzeit Landesvener, und Margret Regetz sein Ehegemahlin /Anna Joneli Ihr Töchterlin. Die Inschrift zählt alle Mitarbeiter namentlich auf. Einmalig ist die Inschrift auf der Schwelle: Der Maler Allenbach als ein armer Tropf dem Meister Amrein als ein listiger Kopf gar wohl behilflich war mit malen und Farb reiben, dass er wohl soll die Meisterschaft haben. Die vielfarbige Malerei ist flächendeckend und zeigt, nebst der grosszügigen Krönung im Giebel mit den Wappen Joneli und Regetz, Füllhörner, Blumen, Rebstöcke, Kartuschen und Ranken, sowie die farbige Fassung der stark plastisch geschnitzten Bauteile. Die reichen Frakturen verschiedener Schriftgrade - von der monumentalen auf der Gadenbrust bis zu zierlichen in den Kartuschen - enthalten nebst der Baudokumentation Verse dieses Malers und Poeten Stephan Allenbach (Zitat aus der Kirche Adelboden). Auch hier gibt es eine Sonntagsstube. Das Stubenwerk wurde um 1900 erneuert und verändert (Einzelfenster). Grosse Renovation 2007, besonders des Stubengeschosses.
27
Das Haus (Nr. 184) wurde 1667 von Zimmermeister Stäfen Bärgman erbaut.

Talauswärts, in der romantischen Buuscheschlucht, finden sich Überreste des einst mondänen Weissenburg-Bades.

27A
Wer an der Station Därstetten den Terrassenweg in Nidflue erreichen will, trifft nach wenigen hundert Metern als Erstes auf dieses Bauernhaus von 1718 (Nr. 191). Kräftig skulpierte oder flach geschnitzte Friese und Inschriftenbänder überspannen die Wandflächen. Wappen-, Tier- und Pflanzenmotive finden sich im Oberbau.
28
Das Haus (Nr. 305B) wurde 1739 von Bendicht Messerli und seinem Sohn (dem nachmaligen Hans Messerli, vgl. Literatur) für Michel Teuscher erbaut. Als oberstes Haus in Nidflue präsentiert es sich im Originalzustand und in seinen ursprünglichen Proportionen (zwei Stuben breites Haus ohne Stubenanbauten, auf geschosshohem Sockel).
29
Das 1726 erbaute Haus (Nr. 305), wurde schon 1750 durch Stubenanbauten erweitert, was die Zahl der Stubenfenster von 14 auf 21 anwachsen liess. Kellereingänge mit Rundbogentüren und Holzgittern. Blumenmalereien und die Darstellung von Daniel in der Löwengrube zeichnen es besonders aus. Abgebildet auf der 30-Rappen-Marke der mehrfarbigen Architekturserie 1973.
30
Das Haus (Nr. 309) wurde 1642 von Zimmermeister Stäfen Bärgman für Jacob Kiniman und Ana Mani erbaut. Die Fassade vereinigt alle Merkmale des Künstlers in sich, der aus der Bautradition heraus Fassaden von individuellem Zuschnitt gestaltet hat (vgl. Hausweg 16 und 21). Mehrere Sockelrenovationen.
31
Trotz des Baujahrs 1713 ist das Haus (Nr. 314/15) baulich noch dem 17. Jahrhundert verpflichtet. Malereien weisen aber bereits in die barocke Zukunft des 18. Jahrhunderts. Quergiebelausbau 1948 bis 1952. Letztmals 2010 renovierte Sockelmalerei. Eigentümer war bis 1990 der Altmeister Bernischer Haus- und Volkskunde, Christian Rubi (1899-1990). Ausklang des kalligraphischen und Anfänge des Simmentaler Malstils. Vielfältige Kerbschnitzereien und Malereien von Christian Rubi im Innern. Im Kellergeschoss Spuren eines Töpferlagers (Wanderverkauf).

Daneben Blockbauspeicher (Nr. ...) mit Steildach von 1578. Der Erhaltung wegen von Steffisburg hierher versetzt.

31A
"Haus Zurbrügg" (Nr. 496), erbaut 1801, Mischkonstruktion auf gemauertem Kellersockel. Wirkungsvolle kleinteilige Sprossenfenster. Aufwendig renoviert 2010/12.
32
Das Haus (Nr. 491/491A) wurde 1693 von Hans Messerli für Jacob Ueltschi erbaut und ist das einzige bemalte Haus auf Balzenberg. Spuren von Sockelmalereien nachempfindend wiederhergestellt.
Talauswärts in Eschlen zwei wohlproportionierte Häuser von Hans Messerli (Nr. 475 und 476).
Dicht am Strässchen ein ehemaliger Ofenhaus-Speicher mit Ründi, erbaut 1784, renoviert 1975 (Nr. 475A).
32A
Das dendrochronologisch auf 1534 datierte Haus (Nr. 467), mit eingebautem Speicher von 1691, ist heute als Wohnhaus mit Atelier genutzt. Raumstruktur weitgehend intakt, Täferstuben mit profiliertem Unterzug. Renovation und Innenausbau von 2001 sind vorbildlich.
33
Das 1784 von einem unbekannten Zimmermeister erbaute Haus (Nr. 458), ist heute oberstes Haus der Dauersiedlung auf 1000 m. Vornehmer Bau an stolzer Lage. Bis in die Details (Fenster, Türen, Steinbeläge, Garten) aufs sorgfältigste gestaltet.
34
Das Haus (Nr. 249) wurde 1765 von Zimmermeister Michael Teuscher für Johannes Sulliger und Margreth Stucki erbaut. Üppig gestaltete Frakturinschrift, renoviert 1988. Wenig unterhalb stattliches Ründihaus (Nr. 234/35), erbaut um 1800.
35
Das "Vépyhaus" (Nr. 305) ist eine prächtige Mischkonstruktion. Der Baukörper ist noch der Simmentaler Tradition verpflichtet, aber bereits mit steilem Ründidach überfangen. 1766 erbaut von Zimmermeister Hans Messerli. Bemalter, aber nur teilweise restaurierter Giebel mit Wappen und Dachhimmel.
Rechts davon: "Regezhaus" (Nr. 304), Ständerbau mit Ründi, 2-armige Freitreppe.
36
Gasthaus Linde (Nr. 303), traditioneller Ständer-/Blockbau von Hans Messerli für Jacob Schneider, Magdalena Walthart und ihre Kinder.
37
Wohnhaus (Nr. 319/319A), seit Mitte 19. Jh. Postgebäude.
Gegenüber die "Krone" (Nr. 309), erbaut in zwei Etappen 1820/40 und um 1880, biedermeierlich verputzter Riegbau unter Walmdach mit intakten Innenräumen aus der Bauzeit.
38
"Platzhaus" (Nr. 317) wurde um 1780 auf zweigeschossigem Sockel mit grossem Käsekeller und Salzerwohnung erbaut. Ständer-/Blockbau.
Das Platzhaus bildet mit dem rechtwinklig dazu stehenden Nachbarhaus "Uf em Platz" (Nr. 316/316A), einem ursprünglich reinen Blockbau von 1595, einen kleinen Platz.
39
"Agensteinhaus", ehemaliges Bauernhaus, Nr. 321, dendrodatiert 1766, wurde 1869 bis 1881 teilweise als Krankenanstalt genutzt, renoviert 1985, 2012 neu mit Schindeln eingedeckt. Erbaut von Zimmermeister Hans Messerli für Wachtmeister Agenstein, Ständer-/Blockbau, original erhaltener Bretterkamin über rekonstruiertem Feuerhaus. Vollständig erhaltene hohe Stuben und niedrige Gadenräume. Markant gegliedertes und beschnitztes Haus.
Seit 1987 Talmuseum, das eine ausgezeichnete Sammlung zu Talgeschichte, Zimmermannskunst sowie Bergland- und Alpwirtschaft zeigt.