Von Weissenburg nach Erlenbach, Talweg via Haus 18

Der Simmentaler Hausweg führt entlang eindrücklicher Gebäude mit hoher Zimmermannskunst und prächtiger Fassadenmalerei. Diese sind Ausdruck des grossen Reichtums, den die Zucht und der Export der inzwischen weltbekannten Simmentaler Kühe früh schon in das sonnige Bergtal brachten.

Der Streckenabschnitt von Weissenburg nach Erlenbach ist auf zwei Varianten zu bewandern, als Talweg oder Terrassenweg. Die hier verzeichnete Strecke führt durchs Tal, teilweise entlang der Simme.
An jedem Haus angebrachte Tafeln informieren über Alter, Architektur und Besonderheiten. Der Hausweg, teils auf Naturpfaden, teils über Asphaltsträsschen mit wenig Verkehr, verläuft teilweise entlang der Lötschberger-Linie Spiez–Zweisimmen, so dass die Möglichkeit besteht die Wanderung abzukürzen (https://fahrplan.bls.ch/).

Wegstrecke Weissenburg-Erlenbach, Talweg ca. 9 km.

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Die steinerne Burg war das Zentrum der Herrschaft der Freiherren von Erlenbach (als „Arlunbach“ erstmals 1133 urkundlich erwähnt). Auf dem Pfrundhubel westlich des Primarschulhauses sind heute noch Teile des Turmfundamentes, der Ringmauer und des Burggrabens sichtbar.
Gedeckte Holzbrücke auf Widerlagern aus rustikal behauenen Kalksteinquadern. Als doppeltes Hängewerk konstruiert, halb abgewalmtes Satteldach mit offenem Dachstuhl, erbaut 1934.
Bahnhof und Güterschuppen sind als Ständerkonstruktion unter einem steilen Satteldach ausgeführt. Die ehemals ocker gefasste Front ist spätklassizistisch geprägt. Zierkonsolen und Giebelbretter in Schweizer Holzstil sowie die angebaute offene Wartehalle mit zierlichen Vierkantpfeilern ergänzen den wohlproportionierten Bau, der an der 1902 neu eröffneten Bahnlinie steht.
Das Aborthäuschen von 1902 wurde 2000 in ein Brunnenhaus umgewandelt. Die zierliche Ständerkonstruktion ruht auf einem teilweise gemauerten Sockel, der den Terrainsprung aufnimmt. Bundbalken aus scherenschnittartigen Sägemotiven im Schweizer Holzstil. An der westlichen Längsseite befindet sich der Schlussstein des Gewölbes der ehemaligen Weissenburger Quellfassung von 1604.
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"Heidehus" (Nr. 429/429A), dendrochronologisch datiert auf 1491/92, mehrfach umgebaut. Das Haus weist über der Frontlaube ein 3,8 m auskragendes Vordach auf, das von einem "Heidenkreuz" und einem durchzäpften Ankerbalken nach Ständerbauweise getragen wird. Die Mischung mit Blockbauelementen ergibt ein archaisches Unikum.
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Das Haus (Nr. 420) wurde um 1771 von Zimmermeister Hans Messerli erbaut, in gepflegter Handwerkstradition mit spätbarockem Gestaltungswillen, mit Ofenhaus, Scheune und Brunnen.
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1630 von Zimmermeister Hans Wolet erbaut, trägt das Haus rot-schwarze Rauten und kleine Antiquainschrift (Nr. 335/335A). Es bildet mit der neu erbauten Scheune einen Paarhof. Beachtenswert die Trauflaube mit Zugang zur Küche.
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Das Haus wurde 1631 von Hans Wolet "dem Jungen" erbaut (Nr. 336/336A). Die Zimmermeisterdynastie Wolet kann bis 1745 (siehe Hausweg 22) verfolgt werden. Die spezifische Zimmermannsmalerei zeigt Lilien, Werkzeug-Schablonenmotive, Antiquainschriften in eigenwilliger Orthographie und rot-schwarzer Fassung des Schnitzwerkes (Wappenschild mit Bär, Kreismotive, Lilien und Breitaxt).
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Das Haus (Nr. 334/334A) wurde 1655 von Stäfen Bärgman, dem bedeutendsten Zimmermeister des 17. Jahrhunderts, für Bendicht Schumacher und Madlena Büler erstellt. Frühe barocke, die ganze Schaufront belebende Verzierungen.

Hinweis: Von Wiler gelangt man über die Hauswegnummer 27A oberhalb der Station Därstetten nach Nidflue (Terrassenweg Hausweg 28 bis 31).
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Das Haus (Nr. 161) wurde 1759 von Zimmermeister Hans Messerli für Salome und Madlena Mani erbaut und mit feinen Skulpturen überzogen. Malerei und Spruchweisheit der Südfassade werden Stephan Allenbach zugeschrieben, die Nordfassade Antoni Schwaller, der auch die Sonntagsstube in diesem Haus mit figürlichen Malereien versehen hat. Die Nordfassade ist nicht nach Simmentaler Tradition gemalt, sondern in europäischer "gängiger" spätbarocker Dekorationsmalerei. Einmalig für das Oberland sind die beiden "Fenstergucker" und die Türfigur. Stellen sie die Mani-Töchter dar?
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Das "Vépyhaus" (Nr. 305) ist eine prächtige Mischkonstruktion. Der Baukörper ist noch der Simmentaler Tradition verpflichtet, aber bereits mit steilem Ründidach überfangen. 1766 erbaut von Zimmermeister Hans Messerli. Bemalter, aber nur teilweise restaurierter Giebel mit Wappen und Dachhimmel.
Rechts davon: "Regezhaus" (Nr. 304), Ständerbau mit Ründi, 2-armige Freitreppe.
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Gasthaus Linde (Nr. 303), traditioneller Ständer-/Blockbau von Hans Messerli für Jacob Schneider, Magdalena Walthart und ihre Kinder.
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Wohnhaus (Nr. 319/319A), seit Mitte 19. Jh. Postgebäude.
Gegenüber die "Krone" (Nr. 309), erbaut in zwei Etappen 1820/40 und um 1880, biedermeierlich verputzter Riegbau unter Walmdach mit intakten Innenräumen aus der Bauzeit.
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"Platzhaus" (Nr. 317) wurde um 1780 auf zweigeschossigem Sockel mit grossem Käsekeller und Salzerwohnung erbaut. Ständer-/Blockbau.
Das Platzhaus bildet mit dem rechtwinklig dazu stehenden Nachbarhaus "Uf em Platz" (Nr. 316/316A), einem ursprünglich reinen Blockbau von 1595, einen kleinen Platz.
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"Agensteinhaus", ehemaliges Bauernhaus, Nr. 321, dendrodatiert 1766, wurde 1869 bis 1881 teilweise als Krankenanstalt genutzt, renoviert 1985, 2012 neu mit Schindeln eingedeckt. Erbaut von Zimmermeister Hans Messerli für Wachtmeister Agenstein, Ständer-/Blockbau, original erhaltener Bretterkamin über rekonstruiertem Feuerhaus. Vollständig erhaltene hohe Stuben und niedrige Gadenräume. Markant gegliedertes und beschnitztes Haus.
Seit 1987 Talmuseum, das eine ausgezeichnete Sammlung zu Talgeschichte, Zimmermannskunst sowie Bergland- und Alpwirtschaft zeigt.