Von Weissenburg nach Erlenbach, Terrassenweg

Der Simmentaler Hausweg führt entlang eindrücklicher Gebäude mit hoher Zimmermannskunst und prächtiger Fassadenmalerei. Diese sind Ausdruck des grossen Reichtums, den die Zucht und der Export der inzwischen weltbekannten Simmentaler Kühe früh schon in das sonnige Bergtal brachten.

Der Streckenabschnitt von Weissenburg nach Erlenbach ist auf zwei Varianten zu bewandern, als Talweg oder Terrassenweg. Der hier verzeichnete Terrassenweg führt über die Bäuerte Balzenberg.
An jedem Haus angebrachte Tafeln informieren über Alter, Architektur und Besonderheiten. Der Hausweg, teils auf Naturpfaden, teils über Asphaltsträsschen mit wenig Verkehr, verläuft teilweise entlang der Lötschberger-Linie Spiez–Zweisimmen, so dass die Möglichkeit besteht die Wanderung abzukürzen (https://fahrplan.bls.ch/).

Wegstrecke Weissenburg-Erlenbach, Terrassenweg ca. 10 km.

zoom
Die steinerne Burg war das Zentrum der Herrschaft der Freiherren von Erlenbach (als „Arlunbach“ erstmals 1133 urkundlich erwähnt). Auf dem Pfrundhubel westlich des Primarschulhauses sind heute noch Teile des Turmfundamentes, der Ringmauer und des Burggrabens sichtbar.
27A
Wer an der Station Därstetten den Terrassenweg in Nidflue erreichen will, trifft nach wenigen hundert Metern als Erstes auf dieses Bauernhaus von 1718 (Nr. 191). Kräftig skulpierte oder flach geschnitzte Friese und Inschriftenbänder überspannen die Wandflächen. Wappen-, Tier- und Pflanzenmotive finden sich im Oberbau.
28
Das Haus (Nr. 305B) wurde 1739 von Bendicht Messerli und seinem Sohn (dem nachmaligen Hans Messerli, vgl. Literatur) für Michel Teuscher erbaut. Als oberstes Haus in Nidflue präsentiert es sich im Originalzustand und in seinen ursprünglichen Proportionen (zwei Stuben breites Haus ohne Stubenanbauten, auf geschosshohem Sockel).
29
Das 1726 erbaute Haus (Nr. 305), wurde schon 1750 durch Stubenanbauten erweitert, was die Zahl der Stubenfenster von 14 auf 21 anwachsen liess. Kellereingänge mit Rundbogentüren und Holzgittern. Blumenmalereien und die Darstellung von Daniel in der Löwengrube zeichnen es besonders aus. Abgebildet auf der 30-Rappen-Marke der mehrfarbigen Architekturserie 1973.
30
Das Haus (Nr. 309) wurde 1642 von Zimmermeister Stäfen Bärgman für Jacob Kiniman und Ana Mani erbaut. Die Fassade vereinigt alle Merkmale des Künstlers in sich, der aus der Bautradition heraus Fassaden von individuellem Zuschnitt gestaltet hat (vgl. Hausweg 16 und 21). Mehrere Sockelrenovationen.
31
Trotz des Baujahrs 1713 ist das Haus (Nr. 314/15) baulich noch dem 17. Jahrhundert verpflichtet. Malereien weisen aber bereits in die barocke Zukunft des 18. Jahrhunderts. Quergiebelausbau 1948 bis 1952. Letztmals 2010 renovierte Sockelmalerei. Eigentümer war bis 1990 der Altmeister Bernischer Haus- und Volkskunde, Christian Rubi (1899-1990). Ausklang des kalligraphischen und Anfänge des Simmentaler Malstils. Vielfältige Kerbschnitzereien und Malereien von Christian Rubi im Innern. Im Kellergeschoss Spuren eines Töpferlagers (Wanderverkauf).

Daneben Blockbauspeicher (Nr. ...) mit Steildach von 1578. Der Erhaltung wegen von Steffisburg hierher versetzt.

31A
"Haus Zurbrügg" (Nr. 496), erbaut 1801, Mischkonstruktion auf gemauertem Kellersockel. Wirkungsvolle kleinteilige Sprossenfenster. Aufwendig renoviert 2010/12.
32
Das Haus (Nr. 491/491A) wurde 1693 von Hans Messerli für Jacob Ueltschi erbaut und ist das einzige bemalte Haus auf Balzenberg. Spuren von Sockelmalereien nachempfindend wiederhergestellt.
Talauswärts in Eschlen zwei wohlproportionierte Häuser von Hans Messerli (Nr. 475 und 476).
Dicht am Strässchen ein ehemaliger Ofenhaus-Speicher mit Ründi, erbaut 1784, renoviert 1975 (Nr. 475A).
32A
Das dendrochronologisch auf 1534 datierte Haus (Nr. 467), mit eingebautem Speicher von 1691, ist heute als Wohnhaus mit Atelier genutzt. Raumstruktur weitgehend intakt, Täferstuben mit profiliertem Unterzug. Renovation und Innenausbau von 2001 sind vorbildlich.
33
Das 1784 von einem unbekannten Zimmermeister erbaute Haus (Nr. 458), ist heute oberstes Haus der Dauersiedlung auf 1000 m. Vornehmer Bau an stolzer Lage. Bis in die Details (Fenster, Türen, Steinbeläge, Garten) aufs sorgfältigste gestaltet.
34
Das Haus (Nr. 249) wurde 1765 von Zimmermeister Michael Teuscher für Johannes Sulliger und Margreth Stucki erbaut. Üppig gestaltete Frakturinschrift, renoviert 1988. Wenig unterhalb stattliches Ründihaus (Nr. 234/35), erbaut um 1800.
35
Das "Vépyhaus" (Nr. 305) ist eine prächtige Mischkonstruktion. Der Baukörper ist noch der Simmentaler Tradition verpflichtet, aber bereits mit steilem Ründidach überfangen. 1766 erbaut von Zimmermeister Hans Messerli. Bemalter, aber nur teilweise restaurierter Giebel mit Wappen und Dachhimmel.
Rechts davon: "Regezhaus" (Nr. 304), Ständerbau mit Ründi, 2-armige Freitreppe.
36
Gasthaus Linde (Nr. 303), traditioneller Ständer-/Blockbau von Hans Messerli für Jacob Schneider, Magdalena Walthart und ihre Kinder.
37
Wohnhaus (Nr. 319/319A), seit Mitte 19. Jh. Postgebäude.
Gegenüber die "Krone" (Nr. 309), erbaut in zwei Etappen 1820/40 und um 1880, biedermeierlich verputzter Riegbau unter Walmdach mit intakten Innenräumen aus der Bauzeit.
38
"Platzhaus" (Nr. 317) wurde um 1780 auf zweigeschossigem Sockel mit grossem Käsekeller und Salzerwohnung erbaut. Ständer-/Blockbau.
Das Platzhaus bildet mit dem rechtwinklig dazu stehenden Nachbarhaus "Uf em Platz" (Nr. 316/316A), einem ursprünglich reinen Blockbau von 1595, einen kleinen Platz.
39
"Agensteinhaus", ehemaliges Bauernhaus, Nr. 321, dendrodatiert 1766, wurde 1869 bis 1881 teilweise als Krankenanstalt genutzt, renoviert 1985, 2012 neu mit Schindeln eingedeckt. Erbaut von Zimmermeister Hans Messerli für Wachtmeister Agenstein, Ständer-/Blockbau, original erhaltener Bretterkamin über rekonstruiertem Feuerhaus. Vollständig erhaltene hohe Stuben und niedrige Gadenräume. Markant gegliedertes und beschnitztes Haus.
Seit 1987 Talmuseum, das eine ausgezeichnete Sammlung zu Talgeschichte, Zimmermannskunst sowie Bergland- und Alpwirtschaft zeigt.